The Stuttgart Declaration of Guilt

by the Council of the Protestant Church of Germany
October 19, 1945

Text from St. Mark's Church, Stuttgart,
translation by Harold Marcuse, Professor of History at UC Santa Barbara,
March 2005
(part of my Martin Niemöller Quotation page)

I've taken the German text of this important document from the website of the church where it was formulated, adopted and proclaimed: www.markusgemeinde-stuttgart.de
and made a rough translation. See below for that site's historical background about the document.

Introduction and text by St. Mark's Church:

Nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Herrschaft und der Nullpunktsituation des Kriegsendes wurde als Neuanfang im August 1945 bei der Kirchenversammlung in Treysa (Hessen) der Zusammenschluß der "Evangelischen Kirche in Deutschland" beschlossen. Die Stuttgarter Schulderklärung vom Oktober 1945 ermöglichte weitere Schritte des Aufbaus. Sie suchte ungelöste Fragen der unmittelbaren Vergangenheit anzusprechen und den Zugang zur weltweiten Ökumene zu öffnen.

"Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland begrüßt bei seiner Sitzung am 18./19. Oktober 1945 in Stuttgart Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen.

Wir sind für diesen Besuch umso dankbarer, als wir uns mit unserem Volk nicht nur in einer großen Gemeinschaft der Leiden wissen, sondern auch in einer Solidarität der Schuld.

Mit großem Schmerz sagen wir: Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden. Was wir unseren Gemeinden oft bezeugt haben, das sprechen wir jetzt im Namen der ganzen Kirche aus: Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat; aber wir klagen uns an, daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.

Nun soll in unseren Kirchen ein neuer Anfang gemacht werden. Gegründet auf die Heilige Schrift, mit ganzem Ernst ausgerichtet auf den alleinigen Herrn der Kirche, gehen sie daran, sich von glaubensfremden Einflüssen zu reinigen und sich selber zu ordnen. Wir hoffen zu dem Gott der Gnade und Barmherzigkeit, daß er unsere Kirchen als sein Werkzeug brauchen und ihnen Vollmacht geben wird, sein Wort zu verkündigen und seinem Willen Gehorsam zu schaffen bei uns selbst und bei unserem ganzen Volk.

Daß wir uns bei diesem neuen Anfang mit den anderen Kirchen der ökumenischen Gemeinschaft herzlich verbunden wissen dürfen, erfüllt uns mit tiefer Freude.

Wir hoffen zu Gott, daß durch den gemeinsa-men Dienst der Kirchen dem Geist der Gewalt und der Vergeltung, der heute von neuem mächtig werden will, in aller Welt gesteuert werde und der Geist des Friedens und der Liebe zur Herrschaft komme, in dem allein die gequälte Menschheit Genesung finden kann.

So bitten wir in einer Stunde, in der die ganze Welt einen neuen Anfang braucht: Veni creator Spiritus! (Komm, Schöpfer Geist!)"

Unterschriften :

D. Wurm (Württ. Landesbischof)
Asmussen DD (Präsident der Kirchenkanzlei der EKD)
H. Meiser (Landesbischof Bayern)
Held (Pfarrer in Essen, später Präses der Rhein. Kirche)
Dr. Lilje (Generalsekretär des Lutherischen Weltkonvents, später Landesbischof in Hannover)
Hahn (Pfarrer, später sächs. Landesbischof)
Lic. Niesel (Pfarrer, Theologieprofessor)
Smend D.Dr. (Theologieprofessor)
Dr. G. Heinemann (Rechtsanwalt, später Bundespolitiker und Bundespräsident)
Dibelius (Bischof von Berlin-Brandenburg)
Martin Niemöller D.D. (Pfarrer, später Kirchenpräsident von Hessen-Nassau)

rough translation (rather literal):

After the collapse of National Socialist rule and the situation of starting completely anew at the end of war, in Treysa (Hessen) in August 1945 at a church meeting it was decided to make a new beginning by creating a union of the "Protestant Church in Germany". The Stuttgart declaration of guilt from October 1945 made further progress towards this goal possible. It sought to address unresolved questions of the immediate past and make admission to the world-wide Oekumene possible.

"The Council of the Protestant Church in Germany welcomes representatives of the Ecumenical Council of Churches at its meeting in Stuttgart on 18.-19. October 1945.

We are all the more grateful for this visit, as we not only know that we are with our people in a large community of suffering, but also in a solidarity of guilt.

With great pain we say: By us infinite wrong was brought over many peoples and countries. That which we often testified to in our communities, we express now in the name of the whole church: We did fight for long years in the name of Jesus Christ against the mentality that found its awful expression in the National Socialist regime of violence; but we accuse ourselves for not standing to our beliefs more courageously, for not praying more faithfully, for not believing more joyously, and for not not loving more ardently.

Now a new beginning is to be made in our churches. Based on the Holy Scripture, with complete seriousness directed to the lord of the church, they start to cleanse themselves of the influences of beliefs foreign to the faith and to reorganize themselves. We hope to the God of grace and mercy that He will use our churches as His tools and give them licencse to proclaim His word and to obtain obedience for His will, amongst ourselves and among our whole people.

The fact that we, in this new beginning, find ourselves sincerely connected with the other churches of the ecumenical community fills us with great joy.

We hope to God that by the common service of the churches the spirit of violence and revenge, which today again wants to become powerful, will be directed to the whole world, and that the spirit of peace and love comes to predominate, in which alone tortured humanity can find healing.

Thus we ask at a time, in which the whole world needs a new beginning: Veni creator Spiritus! (Come, creator spirit!)"

Signatures:

D Worm (Wuerttemburg state bishop)
Asmussen of dd (president of the Church Chancellory of the EKD)
H. Meiser (state bishop Bavaria)
Held (minister in Essen, later Praeses of the Rhine. Church)
Dr. Lilje (Secretary-General of the Lutheran world convention, later state bishop in Hanover)
Hahn (minister, later Saxony state bishop)
Lic. Drizzle (minister, theology professor)
Smend D.Dr. (theology professor)
Dr. G. Heinemann (attorney, later federal politician and Federal President)
Dibelius (bishop of Berlin-Brandenburg)
Martin Niemoeller D.D. (minister, later church president of Hessen Nassau)

Historical background (text from the Markusgemeinde), :

Am Abend des 17. Oktober 1945 gelangte die Markuskirche zu weltweit kirchlicher Bedeutung. Der Ende 1945 in Treysa gebildete Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), ein Gremium von zwölf einflußreichen Kirchenführern und Laien, war zu seiner ersten ordentlichen Sitzung nach Stuttgart einberufen worden. Vorsitzender dieses Rates der EKD war der 76-jährige Theophil Wurm, der wegen seines mutigen Eintretens für das Recht und den Auftrag der Kirche während des Dritten Reiches weithin hohes Ansehen genoß. Als Beginn der Sitzung war Donnerstag, der 18. Oktober 1945, 9 Uhr festgesetzt; Tagungsort war der kleine Sitzungssaal der Württ. Bibelanstalt in der Hauptstätterstraße 51 B. Aus Anlaß dieser ersten Sitzung des Rates der EKD wurden am Vorabend im Saal des Furtbachhauses und in der Markuskirche um 19.30 Uhr zwei Parallelversammlungen gottesdienstlicher Art anberaumt. Die Abendfeier in der Markuskirche wurde von Landesbischof Wurm geleitet, die Feier im Furtbachhaus von Prälat Dr. Hartenstein. Als Prediger bzw. Redner waren an diesen Feiern außerdem Dr. Otto Dibelius, der Bischof von Berlin, und der aus dem Konzentrationslager befreite Pastor Martin Niemöller beteiligt.

Pastor Niemöller war erst gegen 18.30 Uhr in Stuttgart eingetroffen. Bei seiner Ankunft in der Wohnung des Stadtdekans Lempp wurde ihm mitgeteilt, daß er in der Markuskirche sprechen solle. Seine Frau suchte ihm den Predigttext aus. Die aus dem Stegreif gehaltene Predigt Niemöllers brachte Herz und Gewissen der großen Hörerschaft in Bewegung. Sie wirkte so tief, daß am Tage darauf in der Mitte des Rates der EKD das Stuttgarter Schuldbekenntnis entstehen konnte. In diesem Abendgottesdienst am 17. Oktober 1945 in der Markuskirche trafen zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg die Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland mit Vertretern der Kirchen der Ökumene zusammen. Diese Begegnung war deutscherseits weder geplant noch vorbereitet gewesen. Der Anstoß kam von der Ökumene. Daß deren Schritt nun aber sogleich zu einem deutlichen Wort der Umkehr, zum Stuttgarter Schuldbekenntnis, führte -dies war eine Frucht jenes Abends in der Markuskirche. Kirchengeschichtlich gesehen war das die größte Stunde in unserer Markuskirche. Der Leiter der ökumenischen Delegation, Dr. Willem A. Visser’t Hooft schreibt in seiner Biographie: “Wie sollten wir die Wiederaufnahme voller ökumenischer Beziehungen erreichen? Die Hindernisse für eine neue Gemeinschaft ließen sich nur beseitigen, wenn die deutsche Seite ein klares Wort fand. Pierre Maury riet uns schließlich, den Deutschen zu sagen: ‚Wir sind gekommen, um Euch zu bitten, daß Ihr uns helft, Euch zu helfen.’ Als wir in dem großenteils zerstörten Stuttgart ankamen, hörten wir, daß am Abend in der Markuskirche ein besonderer Gottesdienst stattfinden würde, bei dem Bischof Wurm, Pastor Niemöller und Bischof Dibelius sprechen sollten. Niemöller predigte über Jeremia 14, 7-11: ,Ach Herr, unsere Missetaten haben es ja verdient; aber hilf doch um deines Namens willen!’ Es war eine machtvolle Predigt. Niemöller sagte, es genüge nicht, den Nazis die Schuld zu geben, auch die Kirche müsse ihre Schuld bekennen.”

Wie tief jene Abendpredigt Pastor Niemöllers wirkte, geht auch aus einem Bericht der Stuttgarter Zeitung vom 20. Oktober 1945 hervor. Darin heißt es unter anderem: “Das Nichtstun, das Nichtreden, das Nicht-Verantwortlich-Fühlen, das ist die Schuld des Christentums.”

Als Frucht dieses Abendgottesdienstes entstand das Stuttgarter Schuldbekenntnis, das am Vormittag des 19.Oktober 1945 vor den Vertretern der Ökumene abgelegt und ihnen übergeben wurde. Schauplatz der Übergabe war (wahrscheinlich) das Haus Eugenstraße 22, das damals der Stiftskirchengemeinde zur Verfügung stand. Die Behauptung, das Stuttgarter Schuldbekenntnis sei in der Markuskirche, vor den Augen und Ohren der Gemeinde, übergeben worden, ist eine Legende.

Die Kirchenleitung hat es versäumt, das Schuldbekenntnis sofort in allen Gemeinden des Landes, von allen Kanzeln herab, bekannt zu machen. Erst allmählich und spät kam es ins Bewußtsein der Gemeinden. In der Markuskirche ist eine Gedenktafel mit dem vollen Wortlaut des Stuttgarter Schuldbekenntnisses vom 19. Oktober 1945 angebracht.

babelfish mostly raw from the computer:

On the evening of 17 October 1945 arrived the Markuskirche at world-wide church meaning. That at the end of of 1945 in Treysa educated advice of the Evangelist church in Germany (EKD), a committee of twelve influential church leaders and laymen, had been called up into its first tidy meeting to Stuttgart. Chairman of this advice of the EKD was the 76-jaehrige Theophil worm, which enjoyed high reputation far away because of its courageous occurring for the right and the order of the church during the third realm. As beginning of the meeting Thursday, 18 October 1945, was determined 9 o'clock; Meeting place was the small meeting room of the Wuertt. Institute for Bible in the Hauptstaetterstrasse 51 B. From cause of this first meeting of the advice of the EKD the previous evening in the hall of the ford brook house and in the Markuskirche were fixed kind God-official at 19.30 o'clock two parallel meetings. The evening celebration in the Markuskirche was led by national bishop Wurm, the celebration in the ford brook house of Praelat Dr. Hartenstein. When prediger and/or speakers were at these celebrations in addition Dr. Otto Dibelius, which takes part bishop of Berlin, and the minister Martin Niemoeller freed from the concentration camp.

Minister Niemoeller had only arrived against 18.30 o'clock in Stuttgart. With his arrival in the dwelling city DEK to the Lempp it was communicated to it that he was to speak in the Markuskirche. Its wife selected the lecture text for it. The lecture Niemoellers held from the bar hoar frost brought heart and conscience the large listener shank in motion. It worked so deeply that by day on it in the center of the advice of the EKD could develop for Stuttgart plea of guilty. In this evening service on 17 October 1945 in the Markuskirche met for the first time after the Second World War the representatives of the Evangelist church in Germany with representatives of the churches of the Oekumene. This meeting had been deutscherseits neither planned nor prepared. The impact came of the Oekumene. That their step led now however immediately to a clear word of the reversal, to Stuttgart plea of guilty, this was a fruit of that evening in the Markuskirche. That was church-historically seen the largest hour in our Markuskirche. The director/conductor of the oekumenischen delegation, Dr. Willem A. Visser't Hooft writes in its biography: "as we should reach the resumption of full oekumenischer relations? The obstacles for a new community could be eliminated only if the German side found a clear word. Pierre Maury finally guessed us to say the Germans: "we came to help in order to ask you that her us help, you.' When we arrived in mostly destroyed Stuttgart, we that in the evening in the Markuskirche a special service would take place, heard to speak with bishop Wurm, Pastor Niemoeller and bishop Dibelius should. Niemoeller preached about Jeremia 14, 7-11: , oh Mr., our measurement acts earned it; but help nevertheless for your name!' It was a powerful lecture. Niemoeller said, it is not sufficient not to give to the Nazis the debt also its debt had to admit the church."

How effective that evening lecture by pastor Niemoeller was, comes out also in a report of the Stuttgart Newspaper from 20 October 1945. Therein it says among other things: "the nothing doing, the Nichtreden, the irresponsible feeling, that is the guilt/fault of the Christianity." As fruit of this evening service developed for Stuttgart plea of guilty, which was put down at the morning of the 19.Oktober 1945 before the representatives of the Oekumene and handed over to them. Scene of the delivery was (probably) the house Eugenstrasse 22, which at that time the pin church municipality for the order. The statement, Stuttgart plea of guilty was handed over to the municipality, in the Markuskirche, before the eyes and ears is a legend. The church line missed it, plea of guilty immediately in all municipalities of the country, from all pulpits down, admits to make. Only gradually and late it came into the consciousness of the municipalities. In the Markuskirche is attached a memorial plaque with the full wording Stuttgart guilt confessions from 19 October 1945.


Prepared for the web March 14, 2005 by H. Marcuse, updated 10/2/06
Return to H. Marcuse's Niemöller Quotation page