Table of contents of Macht geht vor RechtTitle image from Macht geht vor RechtExcerpts from: Wilhelm Niemöller, Macht geht vor Recht: Der Prozess Martin Niemöllers (Munich: Christian Kaiser, 1952)
[copy from Univ. of Wisconsin libraries]
The title translates as:
Power triumphs over Justice: The Trial of Martin Niemöller


OCR and introduction: June 16, 2003 by H. Marcuse


This biographical text by Martin Niemöller's brother Wilhelm, dedicated to Martin for his 60th birthday (January 14, 1952), attempts to explain the context and details of MN's controversial July 1937 trial by the Nazis, one of the reasons MN was attacked in the late 1940s. It includes a discussion of why MN was defamed after 1946. The excerpt below includes the following statement, related to the famous quotation:
'Wenn er z.B. am 17. Januar 1946 zu den Göttinger Studenten sprach und von sich selbst sagte: "Ich bin schuldig ich habe geschwiegen! Ich habe erst angefangen zu reden, als es um die Kirche ging. Ich weiß mich schuldig!" ... ' '[For example] when he said to students in Göttingen on January 17, 1946: "I'm guilty ... I was silent! I only started to speak out when they were after the Church. I know that I'm guilty!"'

We can see that Martin N. was already thinking the thought that developed into the quotation.

[p. 108] Es galt nun, unter neuen Verhältnissen einen neuen Dienst zu beginnen. Die Anknüpfung war nicht leicht, und wurde dem Heimgekehrten nicht leicht gemacht. Wohin sollte er sich wenden? Angebote standen nicht zur Verfügung. Die "bewegenden Augenblick des Wiedersehens mit manchen Freunden konnten nicht darüber" hinwegtäuschen, daß die Evangelische Kirche und ihre damals maßgeblichen Vertreter den Mann, der aus dem Konzentrationslager kam, nicht mit offenen Armen empfingen. Sie sahen ihn -- mit Recht -- als den führenden Mann der Bekennenden Kirche an. Da aber nach ihrer Meinung diese Bekennende Kirche ihre Rolle ausgespielt hatte, war das Interesse an ihm nicht mehr groß. In der Zeit, die nun anbrach, und in der die Evangelische Kirche offenbar tausend Chancen hatte, war der Vorkämpfer von einst nicht mehr vonnöten.

Martin Niemöller aber hatte die vergangenen Jahre des Geschehens bewußter miterlebt, als man draußen dachte, und hatte mehr Kontakt mit der Wirklichkeit behalten als mancher, der sich in dem Strudel äußerer Geschehnisse befand. So hatte er nach seiner Rückkehr in die Freiheit sehr bald nicht nur einen Eindruck, sondern ein Bild. Er sah in dem Durcheinander, in der Ratlosigkeit, in der Armut und Hoffnungslosigkeit jener Zeit tausend neue Aufgaben. [p. 109] Die Frage mußte beantwortet werden, wie man mit der Vergangenheit fertig werden wollte. Die Verantwortung der Christen für die Welt mußte wahrgenommen werden. Es galt, zu helfen und zu heilen und die Botschaft von dem Helfer und Heiland recht auszurichten. Obwohl niemand ihm Pflichten auferlegte, fühlte der Mann, der eben noch in der äußersten Distanz und anscheinend in der größten Tatenlosigkeit gelebt hatte, eine erdrückende Fülle von Pflichten auf sich zukommen.

Es war für ihn selbstverständlich, daß er im August 1945 den Reichsbruderrat nach Frankfurt einberief, und daß er, wenn auch uneingeladen, mit anderen Vertretern des Reichsbruderrates nach Treysa fuhr, um dort mit seinen Freunden die Stimme der Bekennenden Kirche zu Gehör zu bringen, als man versuchte, der Evangelischen Kirche in Deutschland eine Gestalt zu geben. Alles, was später in Stuttgart als "Schuldbekenntnis" der Kirche (text+translation) ausgesprochen wurde, wurde dort von ihm vorweg genommen. Er wollte es vermieden sehen, daß die Kirche als eine Vereinigung von "Frommen" und "Gerechten" der schuldigen "Welt" gegenübertrat. "Wir haben allein uns selber anzuklagen und daraus die Folgen zu ziehen", sagte er in Treysa. "Die eigentliche Schuld liegt auf der Kirche; denn sie allein wußte, daß der eingeschlagene Weg ins Verderben führte, und sie hat unser Volk nicht gewarnt, sie hat das geschehende Unrecht nicht aufgedeckt oder erst, wenn es zu spät war. Und hier tragt die Bekennende Kirche ein besonders großes Maß von Schuld; denn sie sah am klarsten, was vor sich ging, und was sich entwickelte; sie hat sogar dazu gesprochen und ist dann doch müde geworden und hat sich vor Menschen mehr gefürchtet als vor dem lebendigen Gott." Das waren unerwartete Töne, die man damals und später nicht gern vernahm, und die man übel vermerkte. Man warf Martin Niemöller später vor, daß er von einer "Kollektivschuld" des deutschen Volkes gesprochen hätte. Das war ein schlimmes Mißverständnis derer, die nicht wissen konnten, was die Sünde bedeutet. Viel schlimmer aber war das Mißverständnis derer, die in der Kirche die Buße der Kirche ablehnten, und die das Jahr 1945 als ein Jahr des Sieges und der Selbstrechtfertigung betrachteten. Sie hatten gute Zensuren erwartet und brüsteten sich mit den herrlichen Ergebnissen kirchlicher Statistik. Sie waren entrustet über die "Überbetonung" dieser Schuldpredigt.

Martin Niemöller war freigelassen, aber er redete als Gebundener. [p. 110] Wenn er z.B. am 17. Januar 1946 zu den Göttinger Studenten sprach und von sich selbst sagte: "Ich bin schuldig ich habe geschwiegen! Ich habe erst angefangen zu reden, als es um die Kirche ging. Ich weiß mich schuldig!", dann hätte man wohl, verstehen müssen, daß er nicht von oben herab oder ex cathedra reden wollte, sondern als ein Bruder zwischen den Brüdern, als ein Sünder zwischen den Sündern, als ein Glaubender zwischen den Gläubigen. Darum hat er die Möglichkeit und die Freudigkeit, die Vergebung die Jesus Christus schenkt, zu bezeugen: "Keine Schuld ist so groß, daß der uns von Gott gegebene Heiland nicht damit fertig würde. In unserem Trotz liegt viel Angst, daß wir nichts mehr haben, woran wir uns halten können, wenn wir unsere Schuld anerkennen. Ich glaube, daß dieser Berg von Schuld noch in tausend Jahren mitten in der Welt stehen würde, wenn wir nicht darangehen, diese Schuld zu dem Kreuz Jesu Christi hinzutragen. Dann mag eine neue Brüderschaft unter den Menschen entstehen. Diese Bruderschaft wird nicht gemacht von Männern, Organisationen, Sicherheitsdiensten, sondern der Friede entsteht da, wo Menschen sich erkennen als Brüder am Leibe Christi. Da braucht der Friede nicht organisiert zu werden, sondern da ist es wahr: 'Friede auf Erden bei den Menschen des Wohlgefallens'." Der Gebundene mußte die Verbundenheit des Glaubens bezeugen, die so leicht durch die Fündlein der Menschen aufgelöst und beeinträchtigt wird. Er hatte von dieser Verbundenheit in dem Kampf der Kirche und in der Gefangenschaft einiges erfahren, was man nicht überall erfahren, sehen und wahrhaben wollte. Die Exklusivität, mit der die Konfessionalisten aller Schattierungen den "Wahrheitsgehalt" ihrer Konfession bewahren, abgrenzen und sichern wollten, verstand er nicht. Im Konzentrationslager pflegen romantische Neigungen schnell zu verfliegen.

babelfish raw:
[ p. 108] it applied now to begin under new conditions a new service. Tying was not easy, and the returning home was made not easy. Where should it turn? Offers were not available. It could not deceive the "moving instant of seeing again with some friends about the fact" that the Evangelist church and its at that time relevant representatives received the man, who came from the concentration camp not with open arms. They regarded it -- also right -- as the prominent man of the admitting church. Since however according to its opinion this admitting church had out-played their role, the interest in it was no longer large. In the time, which had now anbrach, and in which the Evangelist church obviously thousand chances, the vorkaempfer from once was not any longer necessary.

Martin Niemoeller however had the past years of the happening consciously seen, than one thought outside, and more contact with the reality had kept than some, which was in the vortex of outside events. So it had an impression, but a picture after its return to the liberty very soon not only. He saw thousand new tasks in the disorder, in the embarrassment, in the poverty and hopelesness of that time. [ p. 109] the question had to be answered, as one wanted to become finished with the past. The responsibility of the Christians for the world had to be noticed. It applied to help and heal and the message of the aid and welfare and quite to align. Although nobody imposed upon obligations to it, the man, who had apparent lived evenly still in the extreme distance and in the largest Tatenlosigkeit, felt a crushing abundance of obligations on itself comes.

It was natural for it that it called up the realm brother advice in August 1945 to Frankfurt, and that it, although uninvited, drove with other representatives of the realm brother advice to Treysa, in order to bring with its friends the voice of the admitting church there to hearing, when one tried to give to the Evangelist church in Germany a shape. Everything that was expressed later in Stuttgart than "plea of guilty" of the church (text+translation), was in front taken there by it. He wanted to see it avoided that the church opposite-stepped the guilty "world" as a combination of "pious ones" and "fair ones". "we have to accuse alone us and from it the consequences pull", said it in Treysa. "the actual debt is on the church; because it alone knew that the hit way led into spoiling, and it warned our people, did not uncover or only it happening injustice if it were too late. And here carry the admitting church a particularly large measure of debt; because it saw clearest, what took place, and which developed; she spoke even in addition and then nevertheless tiredly became and of humans more was afraid than of the alive God." That were unexpected tones, which one did not hear at that time and later gladly, and which one noted badly. One accused Martin Niemoeller later that he would have spoken of a "kollektivschuld" of the German people. That was a bad misunderstanding of those, which could not know, what the sin meant. Many more badly however was the misunderstanding of those, which rejected the penalty of the church, and which the year 1945 as one year of the victory and the self-justification regarded in the church. They had expected and bruesteten themselves good censorship with the wonderful results of church statistics. They were entrustet over the "overemphasis" of this debt lecture.

Martin Niemoeller was released, but he talked as bound one. [ p. 110] When he e.g. on 17 January 1946 said to the Goettingen students spoke and said about himself: "I am guilty... I was silent! I have to talk only begun, when it concerned the church. I know myself guilty!", then one would have had to understand probably, that he wanted to talk not from above down or ex cathedra, but as a brother between the brothers, as a Suender between the Suendern, as a believing between the Glaeubigen. Therefore it has the possibility and the joyfulness, which give assigning the Jesus Christ, of testifying: "no debt is so large that us by God given the welfare and not so that became finished. In our defiance much fear lies that we have nothing more, that we can hold ourselves, if we recognize our debt. I believe that this mountain of debt would in the middle stand still in thousand years in the world, if we do not start this debt to the cross Jesu Christi to in addition-carry. Then new brother shank among humans may develop. This brother shank not made of men, organizations, security agencies, but the peace develops, where humans recognize each other as brothers by the body Christi. There the peace does not need to be organized, but it is true there: ' peace on ground connection with humans of the well-being favour '." The bound one had to testify the solidarity of the faith, which is dissolved and impaired so easily by the Fuendlein of humans. It had experienced from this solidarity in the fight of the church and into the shank some, what one sees and to admit wanted not everywhere to experience. The exclusivity, with which the Konfessionalisten of all shades retains the "truth content" to their denomination, to define and secure wanted, understood he not. In the concentration camp romantic inclinations tend to fly fast.


scanned and prepared for the web by H. Marcuse, June 15, 2003, updated 3/14/05
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